Erklärung anlässlich der geplanten Demonstration der Partei DIE RECHTE und der NPD am 1. Mai in Essen

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Die Essener Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat – gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt (kurz: Essener Allianz für Weltoffenheit) sieht in den geplanten Demonstrationen der Partei DIE RECHTE und der NPD am 1. Mai 2021 eine bewusste Provokation – insbesondere und ganz bewusst gegenüber den Gewerkschaften, die diesen Tag als „Tag der Arbeit“ begehen, sowie gegenüber einer offenen und freien Gesellschaft allgemein.

Die beabsichtigte Durchführung von Demonstrationen durch die Partei DIE RECHTE und der NPD am „Tag der Arbeit“ zielt darauf ab, die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten zu relativieren. Wir, die Partner der Essener Allianz für Weltoffenheit, weisen diese Provokationen entschieden zurück.

Gemeinsam erinnern wir daran, dass bereits einen Tag nach der Durchführung der 1. Maidemonstration 1933, am 2. Mai, mit der Zerschlagung der freien Gewerkschaften ein weiterer Grundstein zur Sicherung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gelegt wurde. Dieser Schritt diente vor allem dem Ziel, jede demokratische Opposition zu zerschlagen.

Freie Meinungsäußerungen und die kritische Auseinandersetzung mit den politischen Entscheidungen der neuen Machthaber wurden fortan mit Verhaftungen und Inhaftierungen geahnt. Tausende von Menschen verschwanden in Gefängnissen und Lagern, viele von ihnen wurden ermordet. Diese schreckliche Zeit endete erst am 8. Mai 1945 mit der Befreiung durch die Alliierten. Die menschenverachtenden Resultate durch die Nationalsozialisten sind heute hinlänglich bekannt und dokumentiert.

Seit über 100 Jahren sind das Ruhrgebiet und die Stadt Essen ein Schmelztiegel verschiedenster Nationalitäten. Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen leben seither friedlich in Vielfalt und Eintracht gemeinsam in unserer Stadt. Ein von gegenseitigem Respekt getragenes Zusammenleben zu bewahren und weiterzuentwickeln, ist das Grundanliegen der Essener Allianz für Weltoffenheit.

Daher rufen wir die Bürgerinnen und Bürger in der Stadt Essen auf, auch an diesem 1. Mai nicht wegzuschauen oder gleichgültig zu bleiben. Setzen sie ein klares Zeichen gegen die Partei DIE RECHTE und die NPD! Gemeinsam stehen wir für eine Stadt der Vielfalt und der Achtung der Würde eines jeden Menschen.

Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen nicht über die Zukunft unserer Gesellschaft bestimmen!

Essen, 26. April 2021

Essener Allianz für Weltoffenheit

Marion Greve, Superintendentin | Kirchenkreis Essen
Jürgen Schmidt, Stadtdechant | Stadtdekanat Essen
Dieter Hillebrand, Vorsitzender | Deutscher Gewerkschaftsbund Region Mülheim-Essen-Oberhausen