Glück auf die Vielfalt – so läuft dat in Essen!

Anlässlich des Aktionstags „Erzähl mir deine Geschichte!“, einer Veranstaltung der Stadt Essen in Kooperation mit der Essener Allianz für Weltoffenheit am 2. Juli 2026 auf dem Gelände der UNESCO Welterbestätte Zollverein, hat Ali Can die nachfolgende Rede gehalten, die wir mit Genehmigung des Autors nachfolgend dokumentieren dürfen. Bitte beachten Sie den entsprechenden Copyright-Hinweis unter dem Text – vielen Dank!

VON ALI CAN

Was hat Essen für eine Geschichte zu erzählen? Wat können wir von unserer Region für das Miteinander mitnehmen? Wat dat Miteinander in Essen besonders macht: Wir sind echt. Der Pott war noch nie geschniegelt und aufgesetzt. Wir können Miteinander, weil wir eine Geschichte haben. Diese Geschichte geht in etwa so: Zugehörigkeit is, wenn du am Start bis’! Denn Untertage zählte nicht Herkunft oder Religion, sondern ob man sich aufeinander verlassen konnte – Kumpel kam aus Polen, Italien, der Türkei, dem Ruhrgebiet selbst. Dat Miteinander war echt.

Hier hamse nie groß rumgetüdelt, hier wurde malocht und angepackt. 

Zusammengehalten – im Pütt, auffe Straße. Mit den Kumpels, mitten im Leben.

Zwischen Kohle, Stahl und Siedlungshof is aus all den Leuten, die von überall hierhin gekommen sind, so’n bunter Haufen geworden. Na klar, kein Schickimicki, ab und an harter Tobak, aber: Vielfalt war Alltag. Und dat brachte sogar die Republik zum Laufen.

Ob mit Akzent und Kopftuch, ob Rollator und Plattdeutsch, ob Stahlkappenschuhen und Kohlenstaub im Gesicht, ob Tattoos und Piercings am Körper, Rollstuhl, Regenbogenfahne, Kinderwagen, Krawatte oder Malerhose, Schürze oder Unterhemd: Wer hier mit anpackt und mit am Start is, gehört einfach dazu. 

Weil geteilte Erfahrungen für das Miteinander wichtiger sind als Kategorien, halten wir fest: Schubladen sind Mumpitz. Und wenn de mal eine Flizpiepe siehst, die Menschen aufteilt, dann sag ruhig: „Kommt inne Pötte, setzt euch mal mit anderen Nasen zusammen, die ihr bisher nicht kennt, lernt euch kennen. Und macht da wat draus.“

Ja klar, man diskutiert laut, manches ist nix. Bei manchen Themen frotzelt man sich an. Ja, Vielfalt ist, dass de jemandem mal auf die Pimpernellen gehen darfst. Aber wenn’s drauf ankommt, dann hält man zusammen wie Bolle. Wie Pech und Schwefel.

Hier wird Vielfalt nicht als Problem verhandelt, sondern als normaler Teil vom ganz normalen Wahnsinn zwischen Maloche, Kita, Bahnstreik, Moschee, Ruhr und Rotweiss-Ergebnissen. Da machste nix. Dat is so! Und mal ehrlich: Wenn der Pott eins kann, dann aus Gegensätzen ’ne Mannschaft machen. Aus „dem seine Sprache“ und „der ihre Kultur“ wird hier ein „unser Ding“, unser Pott! Wer hier ankommt, soll nich kleiner gemacht werden, sondern groß mitspielen können.

Also, Weltoffenheit können wir, dat is die Essener Art der Vielfalt: direkt, solidarisch, manchmal ruppig im Ton, aber versöhnlich und immer herzlich im Kern. 

Und wer dat immer noch nich versteht, für den is vielleicht einfach nur endgültig Schicht im Schacht. Da machste nix, isso. 

Also, in diesem Sinne, Glückauf.

© Ali Can | 2. Juli 2026 | Internet: www.ali-can.de
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